Tätigkeitsbeschreibung Begleitetes Wohnen

1. Unser Angebot „Begleitetes Wohnen“

Immer wieder kommen Anfragen auf uns zu:
Was bietet ihr an? Welches Klientel kann bei euch wohnen? Wie ist der Betreuungsschlüssel? Dies sind einige Beispiele für Fragen, die an uns gestellt werden.

Die von uns begleiteten Wohngemeinschaften, zurzeit sind es sechs, und die zwei Einzelbegleitungen sind im Bereich sind niederschwellig.

Wir gehen von einer Begleitungszeit von 2 – 4 Stunden pro Klient/in und Woche aus. Diese Zeit wird mit Einzelbegleitung, mit den wöchentlichen Meetings in der WG und mit dem Sozialkompetenztraining ausgefüllt. Dies ist dann nicht nur kostengünstiger gegenüber einer Wohnbetreuung (Heim), sondern hilft den Klienten/innen ihre Selbständigkeit zu erhalten.
So sehen wir die BewohnerInnen durchschnittlich zweimal in der Woche. Dieser Umstand wird immer wieder übersehen, manche Institutionen und deren MitarbeiterInnen stellen sich einen täglichen Kontakt vor.
Natürlich haben wir in Krisen die Möglichkeit, die Begleitungszeit den benötigten Bedürfnissen nach oben zu erweitern. In akuten Krisen stehen wir in täglichem Kontakt mit den KlientInnen, in Zusammenarbeit mit den zuständigen Therapeutinnen und Therapeuten und evtl. mit der Psychiatrischen Klinik.

Insgesamt ergibt sich daraus, dass unsere BewohnerInnen ein gewisses Maß an Selbständigkeit mitbringen müssen. Sie sollten eine mehr oder weniger feste Tagesstruktur haben, und in Krisen Unterstützung aktiv einfordern können.

Jede/r BewohnerIn hat eine feste Tagesstruktur, zu 50 % in Form einer Arbeitsstelle (meist in geschütztem Rahmen), einer Ausbildung oder einer Schule. In Ausnahmenfällen sind andere Strukturen denkbar.
Die BewohnerInnen müssen in Punkto eigener Körperpflege selbständig sein. Jede/r BewohnerIn muss in der Lage sein, die haushälterischen Aufgaben in einem vertretbaren Rahmen zu erfüllen.
Da wir nicht immer vor Ort sind, ist es wichtig, dass es den Einzelnen gelingt, sich selbst Hilfe einzufordern. Die Erfahrung zeigt, dass in solchen Fällen die MitbewohnerInnen eine gute Unterstützung sein können. Alle BewohnerInnen wissen, dass sie das Personal in wichtigen Fällen jeder Zeit um Rat bitten können und sollen.

Wir sehen uns als „BewahrerInnen und Förderer der Selbständigkeit“. Viele Menschen, die eine schwere psychische Krise hinter sich haben, über ein längeren Zeitraum mit Krisen und Unsicherheiten leben und/oder chronisch psychisch krank sind, brauchen keine umfassende Unterstützung, um ihre Selbständigkeit zu erhalten. Oft genügt es, ein professionelles Setting im individuellen Fall anzubieten. Durch diese geringe aber für viele die ausschlaggebende Begleitung, kann für viele ein Heimaufenthalt verhindert werden.
Dadurch, dass wir die Kontakte zu den Vermietern, den Beiständen und Vormundschaftsbehörden, den TherapeutInnen und zum

Arbeitgeber haben und suchen, nimmt es den BewohnerInnen einen grossen Druck. Allein sind sie diesem in einer Krisensituation oft nicht gewachsen. Unsere Unterstützung und Intervention gibt ihnen wieder die nötige Sicherheit.

Die Erfahrung zeigt, dass die Kontinuität der Arbeit und eine feste Tagesstruktur für viele BewohnerInnen der notwendige Halt ist, den sie zum selbständigen Leben brauchen. Wir bieten diese Verlässlichkeit durch die von uns vorgegebenen festen Strukturen wie wöchentliche Meetings und Sozialkompetenztraining.

Von unserer Seite ist für eine Begleitung kein zeitliches Limit vorgegeben. Wir begleiten BewohnerInnen unseren WG`s teilweise schon über 20 Jahre. Manche waren als Arbeitnehmer schon in unserer Begleitung und beziehen mittlerweile teilweise schon ihre Rente. Solange es aus u. a. pflegerischen Gründen leistbar ist bleiben die BewohnerInnen bei uns.

Unsere Arbeit schafft bei den BewohnerInnen Vertrauen. Wir lernen unser Klientel kennen. Dieses ermöglicht uns sehr oft ein frühzeitiges Wahrnehmen von Veränderungen und Vorzeichen von Konflikten. Dadurch ist es uns möglich Krisen im Vorfeld zu begegnen, indem wir präsent sind. Auch den Kontakt zu den TherapeutInnen zu suchen und somit einen eventuellen Klinikaufenthalt zu vermeiden. Natürlich gehört zu einer erfolgreichen Arbeit auch etwas Glück, aber durch unseren steten Einsatz können auch viele Krisen bei Begleiteten von unseren MitarbeiterInnen aufgefangen werden.

2. Veränderung im Klientel

In den letzten Jahren haben wir eine Veränderung des Klientels feststellen können. So begegnen wir mehr Menschen, die noch in der beruflichen Abklärung stehen, und/oder vor einer Wiedereingliederungsmassnahme stehen. Oft ist die Folge, dass wir zeitweise eine wesentlich höhere Präsenzzeit aufbieten müssen und eine vermehrte Unterstützung der BewohnerInnen notwendig wird. Im Ganzen zeigt sich die Richtung zu einem Klientel, welches inhaltlich und zeitlich eine grössere Unterstützung braucht. Die Zukunft wird zeigen, ob wir uns dieser Arbeit vermehrt stellen können.

3. Sozialkompetenz

Unverändert ist die Tatsache, dass das Training ein wichtiger Bestandteil der Arbeit ausmacht. Die Kontakte nach „Aussen“ sind enorm wichtig. Jeden Donnerstag bieten wir deshalb unterschiedliche Aktivitäten an.
Gerade im Zeitalter der „Individualität“ und Vereinzelung haben psychisch Kranke es besonders schwer, sich in der Gesellschaft zurechtzufinden.

Jeder Mensch hat eigene Vorlieben und Vorstellungen, auch im Freizeitbereich. Durch zusätzliche Angebote kultureller Art wollen wir alle BewohnerInnen erreichen und anregen.

    Zum Beispiel:
  • Verschiedene kulturelle Veranstaltungen
  • Ferien und Ausflüge
  • Beteiligung am Pilgerweg der PKM

Die Boje ist ein Treff für Menschen, die aus unterschiedlichsten Gründen Krisen zu bewältigten haben. Sie treten hier in Kontakt zu uns (VSP TG) oder zum externen psychiatrischen Dienst Thurgau (EPD). Der Treff kommt zwei Mal im Monat zusammen, zum reden, spielen, miteinander essen. Nachdem der EPD sich aus personellen Gründen vermehrt zurückgezogen hat, ist die Organisation und Planung überwiegend vom VSP TG übernommen worden.

Wohngruppenbegleitung

Ute Ferro  &  Thomas Kessler